Der Fahnenschlag

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Schützenbruderschaft Lamberti-Hansa
Neuzeit
Das Millenium


Die Geschichte

Anhand der historischen Unterlagen der St. Antonius-Schützenbruderschaft Coesfeld 1349 e.V. nimmt das Fahnenschwenken seinen Ursprung im Mittelalter um ca. 1500 n. Chr..

Aufzeichnungen über Art und Weise des Fahnenschwenkens der damaligen Zeit existieren offensichtlich nicht. Es ist lediglich bekannt, dass fast alle Orte mit Stadtrecht zu dieser Zeit Fahnenschwenker besaßen. Die Schwenker waren ausschließlich Angehörige von Handwerksgilden oder Handwerkszünften. Es gab keine flächendeckenden Absprachen bezüglich einer bestimmten Handwerksorganisation, welche das Recht zum Fahnenschwenken besitzen sollte. Somit kann davon ausgegangen werden, dass die verschiedenen Gilden/Zünfte, sowie die Städte unterschiedliche Schwenkarten besaßen. Im Laufe der Jahrhunderte verschwanden in fast allen Städten die Schwenker.

Die Schwenkfahnen des Mittelalters unterscheiden sich in der Hauptsache von den heutigen Fahnen darin, dass sie Aufgrund ihrer Beschaffenheit so ausgelegt waren, während der Benutzung (Schwenken) sehr großen Lärm zu verursachen. Dadurch sollten Angreifer der Stadt ferngehalten bzw. abgeschreckt werden, indem sich die Fahnenschwenker bei einem feindlichen Angriff auf die Stadttürme vor die Tore begaben und mit Elan und Ausdauer oft tagelang ihre Fahnen schwenken. Irrtümlich wird oftmals behauptet, das Fahnenschwenken sei zur Pestvertreibung bzw. Vertreibung "Böser Geister" durchgeführt worden.

Für den Bereich des Münsterlandes entstand im Laufe der Zeit aus dem Fahnenschwenken des Mittelalters der Fahnenschlag der Neuzeit. Dieses Brauchtum wurde für den hiesigen Bereich durch die Bäckergilden der Stadt Münster und Nottuln gepflegt. Diese beiden Arten (Schwenken und Schlagen) unterscheiden sich sehr erheblich voneinander.

Der Fahnenschlag "Münsterländer Art", wie er heute durch den Landesbezirk Münster dargeboten wird, beruht auf dem sogenannten "Bäckerschlag" der Bäckergilde der Stadt Münster und stellt die Fesselung des Hl. Sebastianus, dem Schutzpatron aller Schützenbruderschaften, dar. Welchen geschichtlichen Darstellungsgehalt der "Bäckerschlag" beinhaltet, ist leider nicht brieflich überliefert. Nach den Unterlagen der St. Antonius-Schützenbruderschaft Coesfeld war die Schützenbruderschaft Lamberti-Hansa die Urmutter des heutigen Fahnenschlages "Münsterländer Art", indem die Verantwortlichen den abgeänderten "Bäckerschlag" zum Brauchtum ihrer Schützenbruderschaft machten. Um 1950 entschlossen sich die St. Antonius- Schützenbruderschaft Coesfeld und die Schützenbruderschaft St. Fabian und Sebastianus Osterwick dazu, unter Anleitung der Fahnenschläger der Schützenbruderschaft Lamberti-Hansa ebenfalls den Fahnenschlag "Münsterländer Art" zu erlernen und zum Brauchtum ihrer Bruderschaften zu machen.

Schützenbruderschaft Lamberti-Hansa

Der historische Fahnenschlag ( auch Bäckerschlag genannt ) kann innerhalb der Schützenbruderschaft Lamberti-Hansa auf eine lange Tradition zurückblicken. Bereits vor dem II. Weltkrieg führte Heinrich Tumbrink sen. diesen zur Verschönerung der Feste vor. Nach dem Kriege setzte Franz Schmitz dieses Erbe fort. Im Jahre 1950 hatten sich die drei Jungschützen Fröhling, Rothberger und Steffens mit eisernem Fleiß soweit ausgebildet, dass der Fahnenschlag mit gleichzeitig ausgeführt werden konnte. Das korrekte Auftreten und die gute Zusammenarbeit fand allgemeinen Beifall und Bewunderung. Anläßlich der Wallfahrt der Bruderschaften nach Telgte im Oktober 1951 zeigten die Fahnenschläger der Bruderschaft vor dem Generalpräses Dr. Louis, den Ehrengästen und den versammelten Schützenbruderschaften den Fahnenschlag zu dritt. 1954 wurden die Fahnenschläger aufgrund ihrer Leistungen auf ein

Ausscheidungswettbewerb in Duisburg berufen, um mit einigen weiteren Fahnenschlägern der Schützenbruderschaften St. Antonius Coesfeld, St. Fabian und Sebastianus Osterwick ihr Können vor unserem damaligen Bundespräsidenten Theodor Heuß in Bonn zu zeigen.

Ebenfalls im Jahre 1954 zum 25-jährigen Jubiläum der St. Elisabeth- Gemeinde im September marschierte die Bruderschaft an der Spitze des Fackelzuges. Die Fahnenschläger führten bei der Lichterfeier vor dem Portal der Kirche einen Fahnenschlag vor, der eine helle Begeisterung bei allen Pfarrangehörigen auslöste. In den nächsten Jahren wurden unsere Fahnenschläger immer wieder bei besonderen Anlässen gefordert so zum Beispiel 1955 beim silbernen Priesterjubiläum des geistlichen Beirates der Bruderschaft, Herrn Dechant Ludwig. Aus den Reihen der Jungschützen wurden 4 weitere Fahnenschläger ausgebildet:

M. Göpfer, H. Laschkowski, D. Wessels und Kl. Wohlert.

Sie bekamen auf dem Landes-Fahnenschwenker-Tag in Duisburg-Hamborn für ihren Fahnenschlag das Prädikat "Gut" und wurden mit dem Fahnenschwenker- Leistungsschild ausgezeichnet. Ihnen konnte der Diözesan-Bundesmeister beim Winterfest 1959 das silberne Fahnenschlägerabzeichen des Zentralverbandes überreichen. Die Senioren-Fahnenschläger K. Rothberger und P. Steffens wurden wegen langjähriger Erfolge sogar mit dem Goldenen Fahnenschlägerabzeichen ausgezeichnet. Der Bruderschaft selbst wurde in Anerkennung der großen Verdienste um die Verwirklichung der hohen Ziele der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften, die ihr vom Präsidium des Zentralverbandes in Köln verliehene große Ehrenurkunde, überreicht. An diesem Punkt möchte ich einen großen zeitlichen Sprung machen. In der Zwischenzeit gab es noch viele Auftritte und sicherlich noch die eine oder andere erwähnenswerte Aktion. Doch das würde den Rahmen dieses Rückblickes sprengen.

Die Neuzeit

1989 war für den Fahnenschlag innerhalb der Bruderschaft, sowie auch für den Fahnenschlag im Landesbezirk Münster ein richtungweisendes Jahr.

Der Gedanke zu einem turniermäßigen Kräftevergleich der Bruderschaften entstand 1983 durch ein Fahnenschlägerturnier der St. Martini Schützenbruderschaft Nottuln. Es dauerte jedoch bis 1989, bis die Schützenbruderschaft Antonius Coesfeld ihr erstes offenes Fahnenschläger- und Fahnenschwenker-Turnier im Landesbezirk Münster veranstaltete. Auf diesem Turnier wurden die verschiedensten Arten des "Schlagens und Schwenkens" mit den Fahnen gezeigt. Ein Erfolg des

Turniers war es, dass sich die Teilnehmer gegenseitig besser kennen lernten und auch von anderen Gruppen etwas neues lernen konnten. Doch es gab auch Kritik. Es wurde festgestellt, dass es für das nächste Turnier dieser Art eine differenziertere Klasseneinteilung geben müßte. Dieses wurde dann ab 1990 auch praktiziert.

Den ersten Pokal konnten unsere Fahnenschläger auf den Landesbezirks- meisterschaften im Fahnenschlag "Münsterländer Art" am 31.03.1990 in Coesfeld gewinnen. Hier belegte die Mannschaft mit den Teilnehmern Michael Timmermann und Peter G. Gierse ( Ralf Lietz fiel aufgrund einer Handverletzung aus ) den zweiten Platz.

Peter G. Gierse, der sich um das Training und die Auftritte der Fahnenschläger kümmerte, wurde auf der Frühjahrsjungschützen- versammlung 1991 der erste gewählte Fahnenschlägerobmann der Bruderschaft.

In dieser Zeit traten die Fahnenschläger bis zu 17 mal im Jahr auf. Hierbei sind 3-4 Turniere im Jahr enthalten. Die Erfolge führten dazu, das eine Vitrine, speziell für die Fahnenschlägerpokale angeschafft werden mußte. Unsere Popularität sorgte dafür, dass wir 1993 den Fahnenschlag vor dem Oberbürgermeister Dr. Jörg Twenhöven anläßlich des Stadtschützenfestes vorführen durften.

1994 wurde im Bezirk Münster-Mauritz der Bezirksjungschützenvorstand ins Leben gerufen. Hierzu gehört auch ein Bezirksfahnenschwenker-meister, wozu Peter G .Gierse gewählt wurde. Auf Bruderschaftsebene trat Kai Wendker die Nachfolge von Peter G. Gierse an, der sein Amt zur Verfügung gestellt hatte. In diesem Jahr gelangen unseren Fahnenschlägern, neben anderen Erfolgen, die ersten Siege. Kai Wendker, Frank Gierse und Peter G. Gierse wurden Diözesanmeister, Kai Wendker, Torben Meier und Carsten Wulfert schafften es den ersten Bundestitel zu gewinnen. Sie wurden im Oktober Bundesmeister in der Jugendklasse Fahnenschlag "Münsterländer Art" in Polch.

Auch die darauffolgenden Jahre waren sehr erfolgreich. Mittlerweile waren, da Frank Gierse aufgrund eines Umzuges nicht mehr zur Verfügung stand, Robert Finke und Sebastian Glamas zu den Fahnenschlägern gestoßen. 1995 konnte der erste Titel auf einem offenen Diözesanturnier errungen werden. Carsten Wulfert, Kai Wendker und Peter G. Gierse gewannen die erstmals ausgetragene Seniorenklasse in Coesfeld. Dieser Titel konnte 1996 in Reken verteidigt werden. Der Titel des Bundesmeisters in der Jugendklasse konnte 1995 in Emstek zum zweiten und 1996 in Mastholte zum dritten mal errungen werden.

Im März 1997, inzwischen hatte Torben Meier das Amt des Bezirksfahnenschwenkermeisters übernommen, da Peter G. Gierse Kassierer der Jugend im Bezirk wurde, schafften es die Fahnenschläger auch auf Landesbezirksebene einen Titel zu gewinnen. In der Jugendklasse schlugen Carsten Wulfert, Robert Finke und Sebastian Glamas die Fahne so gut, dass sie hier den ersten Platz belegten. Auf dem Diözesanjungschützentag am 24. und 25. Mai in Kinderhaus legte unsere Seniorenmannschaft mit den Fahnenschlägern Kai Wendker, Torben Meier und Peter G. Gierse (auch Opi genannt) nach. Sie wurde Diözesanmeister.

Auf den Bundesmeisterschaften am 05.10.1997 in Wegberg-Beek konnte die Seniorenmannschaft mit den selben Fahnenschlägern wie bei den Diözesanmeisterschaften erstmals den Titel des Bundesmeisters im Fahnenschlag Münsterländer Art gewinnen. Eine Premiere für die Schützenbruderschaft Lamberti-Hansa gab es ebenfalls in Wegberg-Beek. Tanja Lange schlug als erste Frau in einer Mannschaft unserer Bruderschaft die Fahne.

Das Jahr 1998 veranlaßte unsere Bruderschaft erstmals selber ein Fahnenschlägerturnier durchzuführen. Als Anlaß diente der 350ste Jahrestag des "Westfälischen Friedens" sowie das 135-jährige Bestehen der Schützenbruderschaft Lamberti-Hansa. Es wurde ein großer Erfolg und veranlaßte die Bruderschaft zu sagen, dass, sollte es einen Kooperationspartner geben, so ein Turnier erneut durchgeführt werden soll.

1999 hatten unsere Fahnenschläger, deren Zahl mittlerweile auf über 10 angewachsen war, erneut die Ehre anläßlich des Stadtkönigsballs und anläßlich des Umzuges vor dem Rathaus die Fahne zu schlagen. Vorgestellt wurden hierbei die neuen Friedensreiterfahnen.

Auf unserem Königsball wurde erstmals wieder nach 40 Jahren das goldene Fahnenschwenkerabzeichen an einen Fahnenschläger überreicht. Nach K. Rothberger und P. Steffens ist Peter G. Gierse der dritte Fahnenschläger unserer Bruderschaft der diese Auszeichnung erhalten hat.

Das Millenium

Das die Neuzeit sehr schnellebig ist und es fast jedes Jahr neue erwähnenswerte Begebenheiten gibt, zeigt auch das Jahr 2000. Im Frühjahr wurde der Beschluß gefaßt, den Diözesanjungschützentag 2002 als Hauptverantwortliche Bruderschaft durchzuführen. Im Zuge dieses Diözesanjungschützentages ist am 15.06.2002 das zweite offene Fahnenschläger- und Schwenkerturnier in Münster geplant.

Die Zahl der Fahnenschläger und Fahnenschlägerinnen unserer Bruderschaft ist im zweiten Halbjahr auf über 20 angewachsen und zu unseren Trainingsabenden erschienen die Schützenbruderschaft St. Johanni Münster, St. Hubertus Pötterhoek und der Schützenverein Hafen Neustadt um den Fahnenschlag "Münsterländer Art" zu erlernen.

Für die Zukunft hoffen wir, dass einerseits unsere Fahnenschlägergruppe,

aber auch die Fahnenschläger der verschiedenen Bruderschaften und Vereine, weiterhin gut zusammenarbeiten. Wir wünschen uns des Weiteren, dass an den folgenden Turnieren noch mehr teilnehmende Gruppen begrüßt werden könnten.

Jeder ist an dieser Stelle aufgerufen mitzuhelfen im Sinne von:

GLAUBE - SITTE - HEIMAT

für Dich, uns und in der Verantwortung für andere!